Didaktische Tipps

für das Erstellen von LERNbildern

eigenes Lernbild erstellen

fokussierte Aufmerksamkeit

natürliche Informationsstruktur

strukturierte Vielfalt

Eigene LERNbilder erstellen

Ansicht Autoren

Die Idee Bilder zu (Sprach)Lernzwecken einzusetzen geht auf ein Büchlein von Comenius zurück. Im Jahre 1658 veröffentlichte er das Orbis sensualium pictus Inspiriert von diesem Bilderbuch aus dem 17. Jahrhundert wurde die Lernbild-Galerie dazonline.ch entwickelt.


Web2.0-Technologie ermöglicht es registrierten Nutzer*innen, eigene Lernbilder zu erstellen. Damit diese Lernbilder optimal lernförderlich sind, muss man beim Gestalten 3 lernpsychologische Grundprinzipien beachten.

Auf dieser Seite findest du Tipps und Anregungen. Ausserdem kannst du jederzeit zu einem unserer Meet-ups kommen. Wir treffen uns in lockerer Runde und erstellen gemeinsam Lernbilder.



Wir bieten auch Weiterbildungen, Kurse und Workshops zu Themen rund um Sprachförderung und DAZonline an.

Fokussierte Aufmerksamkeit

Um Wörter und Wendungen korrekt zu erlernen, ist es unerlässlich, dass die Aufmerksamkeit der Lernenden korrekt fokussiert ist. Im natürlichen Spracherwerb der Kinder wird dies in gemeinsamen Handlungen mit einem gemeinsamen Aufmerksamkeitsfokus erreicht. So können selbst Kleinkinder, die ja nur über geringe sprachliche Fähigkeiten verfügen, Wörter und Wendungen lernen.

Das funktioniert, weil das (Sprach)lernende Kind die gemeinsam erlebte Situation aus der Interaktion heraus versteht. Durch den gemeinsame Aufmerksamkeitsfokus weiss das Kind ganz genau, worum es bei einer sprachlichen Äusserung geht. Das Kind liest quasi die Gedanken der anderen Person und errät damit die Bedeutung der zu lernenden Wörter und Wendungen.

Der Klick auf einen Lernpunkt simuliert eine Zeigegeste. Zeigegesten sind im kindlichen Spracherwerb einer der ersten und wichtigsten Hinweise, um einen gemeinsamen Aufmerksamkeitsfokus herzustellen. Schon 1-jährige Kinder nutzen Zeigegesten beim Lernen von Wörtern.

Bildkomposition

Um die Aufmerksamkeit optimal auf die relevanten Aspekte einer Szene zu lenken, sollten keine irrelevanten Elemente auf dem Lernbild sein. So fallen die wesentliche Aspekte unmittelbar ins Auge.

Abstrakte Abbildungen können gegenüber Fotos vorteilhaft sein. Zusätzlich kann mit Positionierung und Farbe gearbeitet werden, um die wichtigen Aspekte eines Lernbildes in den Fokus der Aufmerksamkeit zu bringen.



Richtig: 2 bis 3 Lernpunkte, grosse Elemente im Bild und übersichtliche Bildkomposition sind für das Lernen wichtig.

Beispielbild mit Lernpunkten Beispielbild mit Lernpunkten Beispielbild mit Lernpunkten Beispielbild mit Lernpunkten


Falsch: Zu viele Lernpunkte, viele Details und Lernpunkte nur am Bildrand sind für das Lernen ungünstig.

Beispielbild mit Lernpunkten Beispielbild mit Lernpunkten Beispielbild mit Lernpunkten



Richtig: Erst das Objekt benennen, dann einen beschreibenden Satz mit einer neuen Information.

Beispielbild mit Textbox Beispielbild mit Textbox





ACHTUNG: Im 2.Schritt (Satz) muss man bei dem Thema bleiben, dass im 1. Schritt festgelegt wurde. In den Bildern muss daher der Satz jewelis mit dem Nomen beginnen, das das Objekt am Lernpunkt benennt. Will man Passivsätze vermeiden, muss der Lernpunkt entsprechend verschoben werden.

Beispielbild mit Textbox Beispielbild mit Textbox

Natürliche Informationsstruktur

Die grundlegende Struktur aller Sprachen ist das Informativitätsprinzip. Dieses Prinzip besagt, dass eine Äusserung eine neue und relevante Information beinhaltet. Diese neue Information braucht einen Anker im gemeinsamen Wissen der Gesprächspartner.

Ganz zu Beginn steht der gemeinsame Aufmerksamkeitsfokus von den Interaktionspartnern. Was immer im gemeinsamen Aufmerksamkeitsfokus ist, kann als bekannt angesehen werden. Das Benennen oder Beschreiben des Fokussierten gibt eine neue Information. Schrittweise wird im Gespräch immer neue Information ergänzt.

Alles was in einer Situation sichtbar und präsent ist, kann als gegeben angenommen werden. Der Klick auf einen Lernpunkt signalisiert, was im Fokus der Aufmerksamkeit des Lernenden ist. Um die natürliche Informationsstruktur einzuhalten, wird zunächst eine Benennung oder eine Beschreibung des angeklickten Gegenstandes gegeben. Im folgenden Zusatz kann eine weitere Information über diesen Gegenstand eingeführt werden.



Alt-vor-neu auch im Satz

auch innerhalb von Sätzen ist die natürliche Abfolge von Informationen: erst altes, dann neues. Alte Information wird in Gesprächen oft weggelassen und in geschriebenen Texten durch Pronomen ersetzt.

In der Schule erwarten wir von Kindern und Jugendlichen, dass sie "in ganzen Sätzen" sprechen. Dies ist ein Merkmal von Bildungssprache, welches vielen Schülerinnen und Schülern ungewohnt ist. Darum sollten Lernbilder für die Schule so gestaltet sein, dass ganze Sätze vorkommen, die das zuvor benannte als Anker wiederholen.

Strukturierte Vielfalt

Wiederholungen von sprachlichen Formen (Wörter und Sätze) in mehreren unterschiedlichen Lernbildern ermöglichen das situatiosnübergreifende Lernen. Dies ist für das vollständige Verständnis von Konzepten, die Abgrenzung ähnlihcer Konzepte und den Transfer wichtig.

Auch teilweise Wiederholungen von sprachlichen Formen in ähnlichen Lernbildern sind wichtig. Sie unterstützen das Herauslösen von sogenannten "Chunks" und "Lücken-Schemas". Diese wiederum sind eine wichtiger Grundlage für intuitives Grammatikwissen.

Der Trick besteht also darin, Variation und Wiederholung geschickt auszubalancieren. Dazu gestaltet man am besten kleine Serien mit Bildern, die sich minimal unterscheiden. Manchmal ist es auch möglich, Minimalkontraste in einem Bild darzustellen.



Kontrast

Minimale Kontraste sind der Schlüssel zur strukturierten VIelfalt, wie sie ganz natürlich in der alltäglichen Interaktion und in (Bilder)büchern vorkommt.

Kontraste sind in der Sprache in einer weiteren Hinsicht zentral: Das System Sprache - als eine Menge von Ausdrücken - ist in sich kontrastiv. Das heisst, dass sich die Bedeutung jedes Ausdrucks von den Bedeutungen aller anderen Ausdrücke unterscheidet.

Zum Beispiel sind die beiden Aussagen "Der Mann steht auf der Strasse." und "Auf der Strasse steht ein Mann." beide wahr, dennoch bedeuten beide Sätze etwas leicht unterschiedliches und beide Sätze werden in unterschiedlichen Kontexten gebraucht: um etwas über den Mann zu sagen oder um etwas über die Strasse zu sagen.

Hier wird deutlich, dass man bei der Variation und der Vielfalt die natürliche Informationsstruktur berücksichtigen. Beide Prinzipien gehören eng zusammen.



Richtig: Minimale Variation in 2er-Serie durch Ergänzung von neuer Information in Sprache und Bild: "Der Mann steht (auf der Strasse)."

Beispielbild mit Lernpunkten


Richtig: Minimale Variation in 2er-Serie durch Kontrast einer Information in Sprache und Bild: "Der Junge schiebt das Velo/ den Rasenmäher" Beispielbild mit Lernpunkten


Richtig: Minimale Variation durch Kontrast einer Information im Bild.
"100 Bohnen liegen auf dem Tisch/ im Glas."
"Die Frau geht zu/ steht neben dem Motorad."

Beispielbild mit Lernpunkten Beispielbild mit Lernpunkten